Kesseling

Der Ort Kesseling wurde erstmals am 10.07.762 in einer Urkunde als „Cella Casloaca“ erwähnt. Dieser Urkunde zufolge schenkte der damalige König Pippin, der zu dieser Zeit auf der Königspfalz in Sinzig weilte, das damalige „Klösterchen Kesseling“ dem Kloster Prüm.

Mit dieser Schenkung ging auch ein Teil des anliegenden Waldes mit dem Besitz des „Klösterchen Kesseling“ an das Kloster Prüm über, welches den Wert der Schenkung in seiner Form nochmals steigerte. Als Grenze des Waldgebietes wurden die Bäche Casella, Hallebracha, Dem und Casleoaca genannt, deren Namen noch in den heutigen Ortsnamen Cassel, Denn (heute Ahrbrück) und Kesseling zu finden sind. Hallebracha fand sich indes früher im Hallbacher Hof wieder. Das Waldstück war aber nur ein Teil des damaligen königlichen Waldes, dessen Grenzen sich vom Adenauer Bach bis hin zur Burg Neuenahr zogen.

Mit seiner Schenkung übertrug der König dem Kloster Prüm auch sämtliche Nutzungsrechte des Waldes, diese sich über die Jagd, Fischerei, Schweinemast, Weidennutzung für Vieh sowie Holzhieb erstreckten. Die Übertragung dieser Rechte zeigte, wie wertvoll der Wald in der früheren Zeit für die Bevölkerung war, denn er lieferte Nahrung, diente als Platz für Viehhaltung und brachte Holz zum Heizen im kalten Winter. Ebenfalls wurden dem Kloster mit den Nutzungsrechten die Siedlungsrechte erteilt, wo durch Rodung neue Siedlungsflächen geschaffen werden konnten. Hier das Beispiel Cranscheid, südwestlich von Kesseling. Heute nur noch als Flurname zu erkennen, lag dort früher das Dorf Cranscheid. Die Schenkung wiederholte der König am 13. August 762 nochmals in einer großen Privilegs- und Schenkungsurkunde. Etwa ein Jahr später, am 3. August des Jahres 763, erwies König Pippin der Abtei Prüm erneut seine Gunst. Durch einen Immunitätsbrief befreite er die Prümschen Hörigen und ihre Güter von der weltlichen Gerichtsbarkeit. Dieses hatte zur Folge, dass die weltlichen Lokalbehörden zunächst jegliche Gewalt über die auf den Gütern des Kloster Prüm ansässigen Bauern verloren und nun der Prümer Schultheiß Gerichtsherr war. So kam es, dass der freie Bauer seinen Besitz dem Kloster vermachte, da er erkannte, dass man „unter dem Krummstab“ gut leben konnte. Das Kloster wiederum stockte den meist spärlichen Landbesitz des Bauern auf und so konnte dieser ausreichend für seine Familie sorgen, aber auch die anstehenden Lehnspflichten/Abgaben an das Kloster bestens entrichten. Diese Lehnspflichten/Abgaben wurden anfangs in Naturalien wie zum Beispiel einem Schwein/Jahr, Hühner, Eier, aber auch Leinentücher abbezahlt. In den folgenden Jahren jedoch löste Geld diese Lehnspflichten/Abgaben ab. Zusätzlich mussten die Bauern weitere finanzielle Abgaben leisten, damit das Kloster den Kriegsdienst für die Bauern übernahm. Es waren aber nicht nur die Lehnspflichten/Abgaben die er dem Kloster zu leisten hatte, auch Frondienste gehörten zu seinen Pflichten. Zu diesen Frondiensten zählten das Bestellen der Felder, der Holzhieb für den Herrenhof und es musste ein Beet pro Hof im damaligen Klostergarten gepflegt werden. Außerdem war er verpflichtet, zweimal jährlich eine Fronfahrt zum Kloster Prüm zu übernehmen. Diese führten meist mit einem ochsenbespannten Karren über Schuld, Mutscheid, Münstereifel und Gerolstein bis hin nach Prüm. Zu erwähnen sei hierbei, dass bei diesen Fronfahrten dem Kloster Prüm u.a. auch Wein zugeführt wurde, der durch das Kloster Kesseling an der Ahr angebaut wurde. So besaß das Kloster beispielsweise drei Morgen Weinberg in Dernau und fünf Weingärten in Ahrweiler. In Kesseling selbst betrieb das Kloster keinen Weinanbau, jedoch geht aus Urkunden und einem früheren Kesselinger Gerichtsbuch ein Weinanbau in Kesseling hervor, welcher heute noch durch wenige sichtbare Weinbergsmauern bestätigt wird.

Im Jahre 1351 wurde zwischen dem damaligen Abt und Konvent eine Teilung vorgenommen, die vorsah, dass die Peterskapelle an den Abt übertragen wurde und der Konvent die damalige Mühle übernahm. Die Gemeinden Kesseling und Weidenbach erhielten das uneingeschränkte Nutzungsrecht des Waldes. 1576 sah sich die Stadt Trier durch diese Maßnahme berechtigt und verpflichtet, die Reichsunmittelbarkeit der Abtei Prüm aufzuheben, die durch den Immunitätsbrief im Jahre 763 durch den König erteilt wurde. Damit übernahm der Kurfürst von Trier die Abtswürde von Prüm und somit unterstand die Probstei Kesseling ab dem Jahr 1576 dem Erzbischof von Trier.

Im Jahre 1789 brach die Französische Revolution aus, welche die französischen Heere um 1794 auch in unser Gebiet brachte. 1802 wurde das linke Rheinufer der französischen Herrschaft unterstellt und somit endete das zuvor aufgebaute und bis dahin andauernde System des Klosters. Der Bauer war nun wieder sein eigener Herr, musste jedoch dem französischen Staat steuerliche Abgaben entrichten. Diese wurden nach dem Grund und Besitz des Bauers errechnet und festgelegt, welche ihm einen zu dieser Zeit immensen steuerlichen Betrag auferlegte. Weiterhin musste der Bauer auch hier Frondienste ableisten, beispielsweise Wegebau, Bachregulierung und Kriegsdienstfahrten. Das französische Recht blieb bis 1900 bestehen.

Angemerkt sei hier der Spruch „Unter dem Krummstab war gut leben“, denn auch wenn der Bauer durch die Französische Revolution wieder zu einem freien Mann wurde, war das Leben unter dem Kloster besser. Zwar musste er auch hier Abgaben und Frondienste leisten, jedoch brachten die steuerlichen Abgaben bei der französischen Herrschaft so manchen Bauern in große Not. Somit kam es auch, dass diese Not einige zwang ihre Heimat zu verlassen. Aber bis heute blieb das Kesselinger Tal immer besiedelt. Selbst die Anlegung eines Truppenübungsplatzes vor dem Zweiten Weltkrieg, welcher zu Folge gehabt hätte, dass die Kesselinger ihr Heimatdorf hätten aufgeben müssen blieb ohne Folgen, da die Pläne wieder verworfen wurden. Im Jahr 1962 feierte Kesseling die 1200 Jahrfeier, die sich als großer Festakt darstellte. Das Festprogramm erstreckte sich über zwei Wochen und hatte einige Höhepunkte zu bieten, unter anderem das Einläuten der neuen Glocken, Pontifikalamt des Hochwürdigsten Abts von Maria Laach, dem großen Festumzug und die Einweihung eines neuen Spritzenhauses. 1972 schlossen sich die Ortsgemeinden Kesseling und Staffel zu der Ortsgemeinde Kesseling zusammen. Heute wird das Dorfleben durch die ortsansässigen Vereine geprägt. Durch diese wird der Zusammenhalt gefördert, welche Traditionen und Dorfleben aufrecht erhalten.

Abschließend sei zu sagen, dass Kesseling einer der ältesten Orte im Kreis Ahrweiler ist. Hier wurden in 1250 Jahren viele Menschen geboren und viele Menschen haben hier ihr Leben verbracht. Man kann viele Geschichten aus und über Kesseling erzählen und mit seiner wunderschönen Umgebung und seinen Einwohnern hat Kesseling viele Freunde gefunden. Deshalb kann man zu Recht stolz auf diese Menschen, diese Umgebung und auf die 1250 Jahre sein, die dieser Ort existiert.

Quelle: Festzeitschrift anlässlich der 1250 Jahr-Feier